SPEICHERSTADT

Irgendwie magisch

Wer einen Hamburger fragt, was eigentlich das Besondere an der Speicherstadt ist, bekommt oft zur Antwort: „das Licht“. Das klingt nur so lange merkwürdig, bis Sie diese einzigartige Welt erst einmal selbst entdeckt haben– und das am besten abends, wenn die Sonne untergeht. Denn die taucht die Backsteingebäude in ein goldenes Licht, bricht sich auf dem Wasser der Fleete, die die Speicherstadt durchziehen, und verleiht diesem Viertel eine einzigartige Atmosphäre. Doch nicht nur die Augen, auch die anderen Sinne kommen in der Speicherstadt auf ihre Kosten: Das Kreischen der Möwen liefert eine Portion Fernweh und der Duft nach Gewürzen und Kakao, der den alten Mauern anhaftet, entführt Sie in die Zeit des Handels mit exotischen Ländern. Damit die Speicherstadt wachsen und gedeihen konnte, mussten zunächst einmal viele Menschen ihre Häuser verlassen. Rund 20.000 Hafenarbeiter mit ihren Familien wurden ab 1888 umquartiert, um Platz zu schaffen für die Lagerhäuser, die hier heute noch zu bewundern sind. Grund für die Aktion: Hamburg war in das sogenannte „Reichszollgebiet“ eingegliedert worden und um die Waren bis zum Weiterverkauf einlagern zu können, brauchte die Stadt Platz. Reihe um Reihe dieser Lagerhäuser wurde aus dem Boden gestampft, viele davon liebevoll geschmückt mit Erkern, Türmchen und Zinnen. Durch die schmalen Wasserstraßen kamen die Waren dann zu den Gebäuden und wurden mit Winden und durch die Ladeluken ins Innere befördert: Kaffee und Tee, Kautschuk und Tabak, Teppiche aus dem Orient und viele andere Kostbarkeiten waren dabei. Heute ist die Speicherstadt denkmalgeschützt und gehört zum UN-Weltkulturerbe.

Wenn Sie die Faszination Speicherstadt erleben möchten, sollten Sie das ruhig zu Fuß tun. Der Spaziergang durch Alter Wandrahm, Zollstraße, Neuer Wandrahm und Brook bis Kehrwieder bietet eine ganze Reihe aufregender Sehenswürdigkeiten. Dazu gehört das Zollmuseum mit seinem Einblick in den Schmuggel. Kurz darauf kommt man beim „Dialog im Dunkeln“ an. Eine einzigartige Ausstellung, bei der blinde Menschen die Gäste durch eine Welt der Gerüche, Temperaturen und Klängen führen.

Im "Miniatur Wunderland" mit der größten Modelleisenbahn der Welt und mit 12 Kilometer Schienennetz strahlen alle Augen. Wenn die Eisenbahnfans sich von dort losgeeist haben, geht es weiter in Richtung Kehrwiederspitze und dann zum Sandtorkai. „Spicy's Gewürzmuseum“ ist nicht nur für Gourmets ein Muss – die vielfältigen Aromen sollte jeder einmal in der Nase gehabt haben, der die Speicherstadt besucht.

Ein Schlussbild, das niemand mehr vergisst, der die Speicherstadt besucht hat, ist die Lichtinstallation, die nach der Dämmerung die alten Lagerhallen illuminiert: 800 Scheinwerfer verleihen den roten Backsteingebäuden dann einen magischen Schimmer… Und weil niemand alle Details der Speicherstadt bei nur einem Rundgang erleben kann, machen Sie die Tour am nächsten Tag am besten noch einmal – diesmal per Boot!