ST. MICHAELIS KIRCHE

Ein Wahrzeichen mit viel Geschichte

Mehr als 350 Jahre steht sie mittlerweile – ein stolzes Alter, selbst für ein ehrwürdiges Wahrzeichen. Die Rede ist von der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis, die aber – weil sie schon so lange zur Stadt gehört – längst nur der „Michel“ genannt wird. Und der hat schon eine ganze Menge erlebt: Traumhochzeiten, Staatsbegräbnisse und den ersten weiblichen Pastor der Kirchengemeinde St. Michaelis. Darüber hinaus ist die Kirche aber auch beliebtes Ziel der Hamburger Besucher – und dafür gibt es jede Menge gute Gründe: Da ist natürlich zum einen die barocke Architektur, die zum Anschauen einlädt. Aber man sieht den ganzen Bau mit anderen Augen, wenn man ein paar der Anekdoten kennt, die sich um den Michel ranken.

Wissen Sie zum Beispiel, was die Kirche mit einem Megafon zu tun hat? Hans Georg Sonnin, einer der beiden Baumeister, erfand es nämlich, damit er die Handwerker in luftiger Höhe anleiten konnte. Nicht die einzige geniale Idee, die er für den Wiederaufbau der Kirche hatte, der die Stadt von 1750 bis 1786 beschäftigte. Dazu müssen Sie wissen: Der Michel, wie wir ihn heute kennen, wurde auf den Ruinen einer anderen Kirche errichtet, die durch einen Blitzschlag und das darauf folgende Feuer zerstört wurde. Damit der Neubau zügig voranging, erfand Sonnin einen Hebemechanismus, der es möglich machte, Ruinenteile im Ganzen abzutragen, anstatt Stein für Stein. Der Turm wurde erst 24 Jahre später fertig. Er war für die Seeleute, die damals das Geschehen in Hamburg wesentlich bestimmten, das Erste und das Letzte, was sie von ihrer Stadt sahen.

Doch auch diese Kirche ist nicht die, die noch heute das Bild von Hamburg bestimmt: 1906 kam es bei Arbeiten am Dachstuhl erneut zu einem schweren Brand, in den Jahren danach wurde der Michel neu gebaut – wenn auch in der gleichen Form wie zuvor. Und die kann sich bis heute sehen lassen. Das gilt für ihr strahlend weißes Inneres mit den goldenen Verzierungen genauso wie für die Fassade.

Richtig lebendig wird die Historie des Michels aber erst durch die kleinen Randgeschichten: Wussten Sie beispielsweise, dass die Kirche schon einmal kurz davor stand, zum Pferdestall zu werden? Das war 1811, Hamburg war unter französischer Besatzung und die Idee konnte nur deshalb abgewendet werden, weil Kaufleute der Stadt für die nötigen Pferdestellplätze der französischen Soldaten sorgten.